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Feminismus
Feminismus ist für uns kein Zusatzthema, sondern eine Grundhaltung
Wir Jusos sind Feminist*innen. Für uns ist klar: Eine gerechte Gesellschaft kann es nur geben, wenn alle Menschen frei, sicher und selbstbestimmt leben können, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Körper, Herkunft oder sozialer Lage.
Das Patriarchat prägt unsere Gesellschaft seit Jahrhunderten. Es bestimmt, wer Macht hat, wer gehört wird, wer Verantwortung trägt und wer unsichtbar bleibt. Es zeigt sich in Politik, Wirtschaft, Sprache, Familie, Kultur, im Gesundheitssystem, auf dem Wohnungsmarkt und im Alltag.
Deshalb reicht es nicht, einzelne Ungerechtigkeiten zu benennen. Wir müssen die Strukturen verändern, die diese Ungerechtigkeiten immer wieder hervorbringen.
Patriarchat ist kein Problem von gestern
Viele tun so, als sei Gleichstellung längst erreicht. Wir erleben aber jeden Tag das Gegenteil: Frauen und FINTA*-Personen verdienen weniger, übernehmen mehr unbezahlte Sorgearbeit, erleben häufiger sexualisierte Gewalt, werden in Führungspositionen seltener gesehen und müssen ihre Kompetenz öfter beweisen.
Das ist kein Zufall. Es ist Ausdruck eines Systems, das Männer und männlich geprägte Machtstrukturen über Jahrhunderte bevorzugt hat.
Unser Ziel ist es, sexistische Strukturen Schritt für Schritt zurückzudrängen und das Patriarchat langfristig zu überwinden.
Gleichstellung braucht aktive Maßnahmen
Ungleichheit verschwindet nicht von allein. Wer über lange Zeit ausgeschlossen wurde, braucht gezielte Unterstützung, Räume und echte Möglichkeiten zur Mitbestimmung.
Deshalb halten wir Maßnahmen zur Förderung benachteiligter Gruppen für notwendig. Dazu gehören Quoten, Empowerment, Schutzräume, gezielte Ansprache und politische Bildungsarbeit.
Für uns bedeutet das aber nicht, Menschen unter Druck zu setzen. Gerade FINTA*-Personen dürfen nicht nur dann angesprochen werden, wenn eine Liste noch quotiert werden muss oder eine Kandidatur politisch praktisch wäre. Empowerment bedeutet: Menschen stärken, Räume öffnen und Verantwortung selbstbestimmt ermöglichen.
Feminismus muss alle Lebensrealitäten sehen
Unser Feminismus ist intersektional. Das heißt: Menschen erleben Diskriminierung nicht immer nur auf eine Weise.
Eine weiße Akademikerin erlebt Sexismus anders als eine migrantische Arbeiterin. Eine trans Person erlebt andere Formen von Ausgrenzung als eine cis Frau. Eine FINTA*-Person mit Behinderung trifft auf andere Barrieren als eine Person ohne Behinderung.
Wer Feminismus ernst meint, muss diese Unterschiede sehen. Sonst bleiben wieder genau die Menschen unsichtbar, die besonders stark betroffen sind.
Sorgearbeit ist eine Machtfrage
Wir stehen für einen materialistischen Feminismus. Das bedeutet: Wir schauen nicht nur auf Sprache und Repräsentation, sondern auch auf Geld, Arbeit, Zeit und Macht.
Ein besonders klares Beispiel ist Care-Arbeit. Also die Arbeit, die Menschen füreinander leisten: Kinder betreuen, Angehörige pflegen, Haushalt organisieren, emotionale Arbeit übernehmen.
Diese Arbeit ist notwendig für unsere Gesellschaft. Trotzdem wird sie oft schlecht bezahlt oder gar nicht bezahlt. Und sie wird noch immer besonders häufig FINTA*-Personen zugeschoben.
Das ist ungerecht. Wir wollen Sorgearbeit anders verteilen: zwischen den Geschlechtern, zwischen Familien und Gesellschaft und zwischen privatem Alltag und öffentlicher Verantwortung. Dafür braucht es gute Kitas, gute Pflege, faire Löhne, mehr Zeit und eine starke öffentliche Infrastruktur.
Queerfeminismus gehört für uns dazu
Wir verstehen uns als queerfeministischer Verband. Für uns gibt es nicht nur zwei starre Rollen, in die Menschen passen müssen.
Geschlecht ist vielfältig. Menschen müssen frei leben können, ohne in enge Erwartungen gepresst zu werden. Wir stellen uns gegen Queerfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und jede Politik, die Menschen ihre Identität abspricht.
Langfristig wollen wir gesellschaftliche Geschlechterrollen aufbrechen. Niemand soll wegen Geschlecht, Aussehen, Körper oder Begehren schlechter behandelt werden.
Auch Männer müssen Verantwortung übernehmen
Feminismus ist nicht die Aufgabe von FINTA*-Personen allein. Besonders männlich gelesene Personen müssen sich mit ihrer Rolle auseinandersetzen.
Das heißt: zuhören, Macht abgeben, eigenes Verhalten reflektieren, nicht jede Debatte dominieren und Verantwortung übernehmen, ohne sich dafür feiern zu lassen.
Auch in unserem Verband wollen wir ehrlich hinschauen. Feministische Arbeit bedeutet nicht nur, nach außen klare Forderungen zu stellen. Sie bedeutet auch, die eigenen Strukturen kritisch zu prüfen.
Repräsentation ist wichtig, aber nicht als Pflichtübung
FINTA*-Personen müssen in politischen Räumen sichtbar sein und Einfluss haben. Besonders in Führungspositionen braucht es echte Gleichstellung.
Für uns reicht es deshalb nicht, sich mit Mindestquoten zufriedenzugeben. Wir streben eine FINTA*-Quotierung von mindestens 50 Prozent an.
Aber Repräsentation darf nicht bedeuten, Menschen zu überreden oder zu überfordern. Unser Ziel ist nicht, Lücken auf Listen zu füllen. Unser Ziel ist, Strukturen zu schaffen, in denen FINTA*-Personen sich vernetzen, stärken und selbstbestimmt Verantwortung übernehmen können.
Selbstbestimmung über den eigenen Körper
Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sind für uns nicht verhandelbar.
Jeder Mensch muss selbst über den eigenen Körper entscheiden können. Dazu gehört auch reproduktive Selbstbestimmung. Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafrecht. Menschen brauchen sichere, gute und wohnortnahe medizinische Versorgung, ohne Stigma, Druck oder Bevormundung.
Auch beim Schutz vor sexualisierter Gewalt braucht es ein klares Umdenken. Für uns gilt: Nur Ja heißt Ja. Das Recht muss Betroffene schützen, nicht Täter entlasten.
Gewalt gegen Frauen ist politisch
Gewalt gegen Frauen und FINTA*-Personen ist kein privates Problem und kein Einzelfall. Sie ist Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse.
Femizide sind keine „Beziehungsdramen“ und keine „Affekttaten“. Sie sind die extremste Form patriarchaler Gewalt. Medien, Politik und Justiz müssen diese Gewalt endlich klar benennen.
Es braucht Prävention, sichere Schutzräume, ausreichend finanzierte Frauenhäuser, Beratungsstellen, konsequente Strafverfolgung und eine Justiz, die Betroffene ernst nimmt.
Gleichstellung muss überall mitgedacht werden
Das Patriarchat wirkt nicht nur in einzelnen Situationen. Es prägt den Alltag vieler Menschen ganz grundsätzlich.
Es zeigt sich im Gesundheitssystem, wenn Beschwerden von FINTA*-Personen weniger ernst genommen werden. Es zeigt sich in der Arbeitswelt, wenn Sorgearbeit Karrieren ausbremst. Es zeigt sich in der Stadtplanung, wenn Sicherheit, Wege und Mobilität nicht für alle mitgedacht werden. Und es zeigt sich in der Steuer- und Sozialpolitik, wenn ökonomische Abhängigkeiten bestehen bleiben.
Deshalb muss Feminismus in allen Politikbereichen vorkommen. Nicht als Zusatzthema, sondern als Grundhaltung.
Wofür wir kämpfen
Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der niemand wegen Geschlecht, Körper, Sexualität oder Lebensentwurf weniger wert ist.
Wir kämpfen für gleiche Rechte, gleiche Freiheit und gleiche Macht. Für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit gerecht verteilt ist, Gewalt klar benannt wird und Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist.
Unser Feminismus ist solidarisch, intersektional, queer und materialistisch. Er fragt nicht nur, wer sichtbar ist. Er fragt auch, wer Macht hat, wer Arbeit leistet, wer geschützt wird und wer noch immer ausgeschlossen bleibt.
Wir wollen nicht, dass FINTA*-Personen sich an ungerechte Strukturen anpassen müssen. Wir wollen die Strukturen verändern.